Erfolg beim Vorstellungsgespräch - wie verhalten Sie sich richtig?

Bewerber, die eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in ihrem Mailpostfach finden, sind in der Regel erstmal erfreut. Ihre Bemühungen haben sich also gelohnt, das Bewerberprofil scheint für die Entscheidungsträger des Wunscharbeitgebers interessant zu sein. Ist der Erfolg bereits sicher? Nein, denn neben der Fachkompetenz des Bewerbers, die durch die Bewerbungsunterlagen ersichtlich ist, haben die Entscheider eines Unternehmens noch ein zweites entscheidendes Kriterium im Blick: die Persönlichkeit des Bewerbers. Ein gelungenes Vorstellungsgespräch ist daher die „zweite Hälfte der Miete“ im Bewerbungsprozess. 

Unvorbereitet ins Vorstellungsgespräch gehen und einfach sehen, was auf einen zukommt? Davon ist abzuraten,. Es gibt vieles, worauf man sich im Vorfeld vorbereiten kann und auch sollte. Und einiges, was im Vorstellungsgespräch auf gar keinen Fall passieren soll. 

 
Wichtig für den Erfolg eines Bewerbungsgesprächs ist vor allem die innere Haltung. Grundsätzlich sollten Bewerber mit den folgenden Gedanken in den Vorstellungstermin gehen: „Mein berufliches Profil ist für diesen Arbeitgeber interessant. Meine Qualifikation und meine bisherigen beruflichen Erfahrungen sowie meine persönlichen Skills passen gut auf die Stellenbeschreibung. Was noch fehlt, kann ich mir erarbeiten“. 

Der Entscheidungsträger auf Arbeitgeberseite wünscht sich, einen passenden Kandidaten für die Besetzung der offenen Position zu finden. Der Bewerber wünscht sich, eine interessante berufliche Aufgabe für sich zu finden. Um in der relativ kurzen Zeit des Bewerbungsgesprächs zu bewerten, ob Kandidat und Aufgabe zusammenpassen, gibt es einen üblichen Ablauf des Bewerbungsgesprächs, an den sich viele Arbeitgeber halten. Und einige Regeln, die es zu befolgen gilt.

Neben einer positiven und selbstbewussten Grundhaltung gibt es vieles, das Bewerber tun und beachten können, um ihr Vorstellungsgespräch zu einem Erfolg zu machen. Lesen Sie im Folgenden mehr darüber, was im Bewerbungsgespräch gut ankommt und was Sie besser vermeiden sollten.
  

So können Sie beim Vorstellungsgespräch punkten: 
 

Gute Vorbereitung.

Bewerber, die gut vorbereitet in ein Vorstellungsgespräch gehen, fühlen sich erstens durch die gute Vorbereitung selbstsicher und erwecken zweitens einen seriösen und engagierten Eindruck. Und auf den kommt es im Bewerbungsgespräch an: Eine wichtige Frage, die im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs für den Arbeitgeber im Raum steht, lautet „Kann ich mir die Zusammenarbeit mit dieser Person vorstellen?“ Wer bestens vorbereitet ist, kann hier punkten. Dem Arbeitgeber wird das sichere Gefühl vermittelt, dass der Bewerber gut informiert zu seinen Terminen erscheint und alles, was vorab in Erfahrung zu bringen war, in Eigenregie geklärt hat.

Zu einer guten Vorbereitung gehören die Sichtung der Homepage des Unternehmens hinsichtlich Unternehmensaktivitäten, Erfolge und Unternehmenskultur und das Einholen von Informationen über die jeweilige Branche. Häufig lassen sich durch eine Internet-Recherche auch interessante Pressemeldungen oder Artikel zum Unternehmen oder zu einem stellenrelevanten Produkt der Firma finden. 

Wenn Sie Glück haben, fallen Ihnen während Ihrer Recherche zudem wichtige Informationen über Ihren Gesprächspartner zu. Wer intensiv recherchiert, kann so wertvolle Informationen sammeln und einen guten ersten Eindruck erwerben. Vergessen Sie auch nicht, sich über das in der Branche übliche Gehalt zu informieren. Anhaltspunkte hierzu finden Sie beispielsweise auf entsprechenden Online-Portalen – geben Sie einfach „Gehaltsvergleich“ bei Google ein, um diese zu finden.

Auch die Information über auf den Ablauf eines Vorstellungsgesprächs gehören zu einer gewissenhaften Vorbereitung. Informieren Sie sich über den üblichen Aufbau eines Bewerbungsgesprächs und üben Sie die Antworten auf häufig vorkommende Fragen wie zum Beispiel die Frage nach den Stärken und Schwächen ein. 

Häufig wird im Bewerbungsgespräch auch Ihre Selbstpräsentation gewünscht, die zumeist mit der Aufforderung „Erzählen Sie uns etwas über sich selbst“ eingeleitet wird. Es ist ratsam, diese vorab einzuüben, damit diese später sicher gelingt. Am besten üben Sie diese vor dem Spiegel oder  mit Hilfe eines Freundes oder Freundin. Weitere häufige Fragen im Bewerbungsgespräch sind: Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren? Warum halten Sie sich für einen geeigneten Kandidaten für die offene Stelle? Warum haben Sie Ihren letzten Arbeitgeber verlassen? Im Internet finden Sie eine Fülle an Webseiten, mit deren Hilfe sie sich optimal auf anstehende Fragen vorbereiten können.

Insgesamt gilt: Je besser Bewerber informiert sind, desto weniger Unsicherheiten wird es während des Vorstellungsgesprächs auf Bewerberseite geben. Und je sicherer ein Bewerber wirkt, desto wahrscheinlicher ist es, dass er seine zukünftigen Aufgaben souverän erfüllen wird. Genau diesen Eindruck möchten Sie bei Ihrem Wunscharbeitgeber erwecken.
 
Organisatorisches vorab klären.

Im Vorfeld des Bewerbungsgesprächs ist es nicht nur ratsam, die Anfahrt zum Unternehmen mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu planen. Es gibt noch andere wichtige Vorbereitungen, an die Sie denken sollten. 

Überlegen Sie schon früh, was Sie zum Vorstellungsgespräch anziehen möchten. Sorgen Sie dafür, dass die gewählte Kleidung am Vorabend gebügelt ist und Ihre Schuhe sauber geputzt sind. Ein frühzeitiger Blick in den Spiegel verrät Ihnen, ob es Zeit für einen Friseurbesuch ist, den Sie rechtzeitig buchen.

Den Namen Ihres Ansprechpartners drucken Sie aus oder notieren Sie. So können Sie am Empfang Bescheid sagen, mit wem Sie verabredet sind und den Ansprechpartner zu Gesprächsbeginn mit Namen ansprechen. 

Auch die Telefonnummer des Ansprechpartners (oder die seiner Assistentin) notieren Sie vorab. Sollte es am Tag des Gesprächs zu einer unvorhersehbaren Verspätung Ihrerseits kommen, können Sie so Ihre Zuverlässigkeit durch einen zeitnahen Anruf unter Beweis stellen. 

Und auch dies gehört zur organisatorischen Vorbereitung auf Ihren Bewerbungstermin: Drucken Sie Ihre  Bewerbungsunterlagen und die Stellenanzeige aus und nehmen diese zum Gespräch mit. Zudem packen Sie einen Notizblock und einen Stift ein. Sie sollten nicht in die Situation geraten, Ihren Interviewpartner gleich zu Beginn des Gesprächs um Stift und Block bitten zu müssen und dadurch unvorbereitet wirken. 

Tipp: Laden Sie sich aus dem Internet eine Checkliste fürs Vorstellungsgespräch herunter und nutzen Sie diese für die Vorbereitung auf Ihr Vorstellungsgespräch.
 
Pünktlich da sein!

Indem Sie pünktlich zu Ihrem Vorstellungstermin erscheinen, demonstrieren Sie Ihre Zuverlässigkeit. Planen Sie am besten einen Puffer ein und seien Sie etwas früher, zum Beispiel 15 Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt, vorort.  „Angekommen zu sein“ vermittelt grundsätzlich ein ruhiges Gefühl. Machen Sie beispielsweise einen Spaziergang und melden Sie sich erst 5 Minuten vor Gesprächsbeginn am Empfang. So stören Sie Ihren Gesprächspartner nicht bei der Vorbereitung auf den Vorstellungstermin mit Ihnen.

Einige Bewerber fahren den Anreiseweg am Vortag einmal ab, um die Strecke besser einschätzen zu können. Dies geschieht am besten zur gleichen Tageszeit, zu der auch der Vorstellungstermin stattfinden wird. Das Verkehrsaufkommen und eventuelle Baustellen werden auf diese Weise für den Bewerber gut einschätzbar.

Wenn Sie sich bei einem Großunternehmen beworben haben, kann es durchaus sein, dass Sie vom Pförtnerhaus bis zu Ihrem Ansprechpartner ein paar zusätzliche Minuten einrechnen müssen. Am besten fragen Sie bei der Terminvereinbarung nach einer Wegbeschreibung, um unnötige Verspätungen  durch zusätzliche Wegzeiten zu vermeiden. 

Tipp: Überpünktlichkeit kommt ebenso schlecht beim Arbeitgeber an wie Unpünktlichkeit! 

 

Angemessenes Outfit wählen.

Ein angemessenes Outfit spielt im Vorstellungsgespräch eine wichtige Rolle. Im Internet (zum Beispiel auf den Webseiten der großen Stellenbörsen) finden Sie eine Vielzahl an Angeboten, über die Sie sich hierzu branchenspezifische Tipps holen können. Beispiel: Für ein Vorstellungsgespräch bei einer Bank sind Anzug und Krawatte für Männer und ein Kostüm bzw. Hosenanzug für Frauen ein Muss. Wenn Sie sich dagegen für eine Stelle als Sozialpädagogin oder Erzieherin bewerben, darf die Kleidung ruhig etwas legerer sein. Generell gilt: Besser overdressed als underdressed. 

Anhaltspunkte zum Dresscode erhalten Sie auch auf der Homepage des Arbeitgebers: Gibt es Gruppenfotos der Teams? Hier kann man bereits einen ersten Eindruck zum Dresscode gewinnen. Achten Sie auf jeden Fall auf ein ordentliches und gepflegtes Erscheinungsbild. Hierzu gehört nicht nur die Kleidung, sondern auch ein ordentlicher Haarschnitt/eine ordentliche Frisur, geputzte Schuhe und gepflegte Zähne. 

Genauso wichtig wie Auswahl des Outfits entsprechend dem Firmen-Dresscodes ist, dass Sie sich in der gewählten Kleidung wohlfühlen. Nur wer sich wohl fühlt, kann ein gelassenes Gespräch im selbstsicheren Stil führen und sein Gegenüber von sich überzeugen. 

Tipp: Wenn Sie sich in dieser Frage des Dresscodes unsicher sind, fragen Sie vorab telefonisch in der Personalabteilung nach.

 

Gute Umgangsformen.

Neben einem ordentlichem Erscheinungsbild und einem pünktlichen Erscheinen zu Ihrem Gesprächstermin gibt es einige Verhaltensregeln, die Sie beachten sollten.

Zeigen Sie gute Umgangsformen, indem Sie sich respektvoll, höflich und seriös verhalten. Ihr Gegenüber wünscht sich einen motivierten Mitarbeiter, der kompetent und verlässlich ist und der sich zudem im Team angemessen verhält. Demonstrieren Sie, dass Sie der geeignete Wunschkandidat sind.

Seien Sie freundlich zur Empfangsdame gehen Sie gegebenenfalls auf ihren freundlichen Smalltalk ein. Ihren Interviewpartner begrüßen Sie mit einem Handschlang und nennen ihn bei seinem Namen, den Sie natürlich auswendig kennen. Sehen Sie ihm dabei in die Augen - auch ein Lächeln schadet nicht. Setzen Sie sich erst, wenn Ihnen ein Platz angeboten wird.

Angebotene Getränke nehmen Sie gerne an. Hören Sie Ihrem Gesprächspartner gut zu und lassen Sie ihn grundsätzlich ausreden. Bemühen Sie sich um einen freundlichen Ton und bleiben Sie stets höflich, auch wenn Sie beispielsweise eine Frage als Provokation empfinden. Seien Sie aufgeschlossen, um Ihr Interesse an der ausgeschriebenen Stelle zu zeigen, aber wahren Sie eine angemessene Distanz zu Ihrem Gegenüber, indem Sie nicht zu persönlich werden. Halten Sie Blickkontakt zu Ihrem Gesprächspartner (wenn es mehrere sind, wechseln Sie vom einen zum anderen). Und bei der Verabschiedung bedanken Sie sich selbstverständlich mit Handdruck für das Gespräch. 

Wer hat nicht gerne einen höflichen Gesprächspartner? Dies gilt auch fürs Bewerbungsgespräch. Gute Umgangsformen sind der Schlüssel für eine positive Einschätzung Ihrer Persönlichkeit durch Ihr Gegenüber. Zeigen Sie sich daher von Ihrer besten Seite!

Tipp: Zu einem höflichen Verhalten gehört es auch, dass Handy vor dem Gespräch auszuschalten!

 

Sich empathisch auf sein Gegenüber einstellen.

Beobachten Sie Ihr Gegenüber und stellen Sie sich auf Ihren Gesprächspartner ein. Ist er ein eher ruhiger Typ, nehmen Sie seinen Gesprächsstil an und stellen sich darauf ein. Ist sein Gesprächsstil eher locker und unkompliziert, nehmen Sie auch dies an. Wenn Ihnen Ähnlichkeiten auffallen, heben Sie diese unaufdringlich hervor. 

Zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass das Gespräch für Sie wichtig ist und Sie gerne daran teilnehmen. Dadurch bekunden Sie nicht nur Ihr Interesse an der Stelle sondern auch Ihre Wertschätzung für Ihr Gegenüber, das seine Zeit für Sie aufwendet. 

Wenn Ihnen Ihr Gegenüber sympathisch ist, zeigen Sie dies ruhig auch einmal durch ein Lächeln. Versuchen Sie in jedem Fall, entspannt zu bleiben und dem Gespräch ruhig zu folgen. 

In manchen Bewerbungsratgebern findet sich auch der Ratschlag, dass Bewerber ihren Gesprächspartner in seiner Körpersprache und Mimik nachahmen sollen, um Sympathie zu erzeugen. Diese Ausnutzung des so genannten „Chamäleon-Effekts“ ist jedoch mit Vorsicht zu genießen – womöglich empfindet der Interviewpartner dies als „Nachäffen“ und dadurch entsteht kein gutes Verhältnis. Nehmen Sie sich lieber vor, Ihr Gegenüber aufmerksam zu beobachten, offen zu sein und sich auf Ihren Gesprächspartner einzustellen. Wenn Sie innerlich ruhig sind, geschieht dies fast automatisch.

 

Ansprechende Beispiele nennen.

Am leichtesten kann sich Ihr Gesprächspartner ein Bild von Ihren bisherigen Tätigkeiten machen, wenn Sie Ihre Ausführungen mit Beispielen anreichern. Stellen Sie sich vor, wie viele Bewerbungsgespräche beispielsweise ein Personaler pro Woche führt – er wird für jedes interessante Gespräch, in dem nicht lediglich der entsprechende Lebenslauf „heruntergebetet“ wird, dankbar sein. 

Finden Sie Überschneidungen zwischen der Stelle, für die Sie sich bewerben und ihren bisherigen Tätigkeiten oder Interessen und erzählen Sie lebendig davon. Auf diese Art erzeugen Sie ein lebhaftes und interessantes Gespräch, in dem sich ein Fremder ein anschauliches Bild von Ihnen und Ihren Erfahrungen machen kann. Lesen Sie die folgenden Schilderungen im Vergleich und machen Sie sich selbst ein Bild! 

Frage des Arbeitgebers: „Welche Aufgaben fielen im Rahmen Ihrer letzten Tätigkeit in Ihren Aufgabenbereich?“

Antwortmöglichkeit 1: „Bei meinem letzten Arbeitgeber war ich als Mitarbeiter im Vertriebsinnendienst tätig. Ich war für die Kundenberatung einschließlich der Behandlung eingehender Reklamationen zuständig. Auch die Stammdatenpflege fiel in meinen Aufgabenbereich. Zudem war ich für die Auftragserfassung zuständig.“

Antwortmöglichkeit 2: „Bei meinem letzten Arbeitgeber, einer Sprachenschule in München, war ich als Vertriebsmitarbeiter im Vertriebsinnendienst beschäftigt. Per Telefon und Email habe ich die verschiedensten Kunden – vom Manager, der einen Kurs in Business English besuchen möchte bis zum Studenten, der seine Schulkenntnisse in Französisch vor einem Auslandssemester auffrischen möchte – beraten. Neben der Auftragserfassung und der Eintragung der Kunden in die verschiedenen Kurse mittels Kursmanagementsystem habe ich mich auch um eingehende Reklamationen gekümmert. Wenn zum Beispiel ein Kursteilnehmer nicht zufrieden mit seinem Dozenten war, habe ich ihn für einen anderen Kurs eingeteilt oder einen Gutschein für ihn ausgestellt. Ich hatte zudem Routineaufgaben zu erfüllen, wie zum Beispiel das Ausstellen und Versenden von Teilnahmebestätigungen.“

Merken Sie den Unterschied? 

In der ersten Schilderung legt der Bewerber seine bisherigen Aufgaben theoretisch dar. Der Zuhörer erhält einen ersten Eindruck davon, welche Aufgaben der Bewerber bislang erfüllt hat. Die Ausführungen sind nicht besonders anschaulich, der Zuhörer muss selbst nachdenken, um sich eine konkrete Vorstellung zu  machen. Alternativ könnte er auch den Lebenslauf des Bewerbers lesen und würde nicht viel weniger wissen als durch die Erzählung des Bewerbers.

In der zweiten Schilderung kann sich der Zuhörer leicht eine Vorstellung davon machen, welche Aufgaben der Bewerber in seiner letzten Tätigkeit ausgeführt hat. Vor dem geistigen Auge entsteht ein lebhaftes Bild. Der Interviewpartner bekommt einen konkreten und anschaulichen Eindruck davon, welche Aufgabenbereich der Bewerber in seinem letzten Arbeitsverhältnis betreut hat und wie er seine Aufgaben ausgeführt hat. 

Anschaulich erzählen statt „herunterbeten“ lautet die Devise, um ein interessantes und abwechslungsreiches Gespräch zu führen, aufgrund dessen sich der Interviewer ein positives Bild machen kann.

 

Notizen erstellen.

Bevor das Gespräch beginnt, legen Sie sich einen Notizblock und einen Stift bereit. So können Sie sich während des Gesprächs Notizen machen. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass Sie das Gespräch in allen Details niederschreiben, denn dies würde den Gesprächsfluss stören. Machen Sie sich vielmehr kurze Notizen in Stichworten, zum Beispiel zu Fragen, die noch offen sind oder zu Themen, die im Gespräch kurz angerissen wurden und die Sie gerne nochmal ansprechen möchten. Auch von Ihrem Gegenüber genannte unternehmensrelevante Zahlen bieten sich zum Mitschreiben an – wer kann sich schon viele Zahlen auf einmal merken?

Indem Sie sich Notizen machen, zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie aufmerksam zuhören und interessiert sind. Mitschreiben beweist Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit. Beides sind Eigenschaften, die ein Arbeitgeber an seinem zukünftigen Mitarbeiter zu schätzen wissen wird.

 

Kluge Fragen stellen. 

Normalerweise werden Sie gegen Ende des Vorstellungstermins dazu aufgefordert, offene Fragen zu stellen. Wer kluge Fragen stellt, zeigt zum einen, dass er sich Gedanken gemacht hat und zum anderen, dass er sich gut vorbereitet hat. 

Während des Vorstellungsgesprächs werden viele Fragen seitens der Bewerber bereits geklärt. Sie sollten jedoch unbedingt ein paar knackige Fragen parat haben, denn keine Fragen zu stellen, macht im Vorstellungsgespräch einen schlechten Eindruck. Bereiten Sie daher bereits zu Hause Ihre Fragen zum Unternehmen und zur Aufgabe vor und nehmen Sie diese schriftlich zum Vorstellungstermin mit. 

Um relevante Fragen zu finden, ist eine gute Vorbereitung im Vorfeld ein Muss. Nur wer sich mit einem Thema auseinandersetzt, kann gezielte Fragen formulieren und hinterlässt dadurch einen guten Eindruck. Ihre Fragen sollten inhaltsbezogen sein. Beispiele:

·        Welchen Aufgabenbereich soll die Stelle in puncto XY abdecken?

·        Wer ist bezüglich der offenen Position der direkte Vorgesetzte?

·        Wir groß ist die entsprechende Abteilung?

·        Welche Schnittstellen zu anderen Teams gibt es?

·        Gibt es Aufstiegsmöglichkeiten? 

Gegebenenfalls können Sie mit Ihren Fragen auch bereits Besprochenes vertiefen. Auf diese Weise beweisen Sie sich als aufmerksamer Zuhörer. In keinem Fall aber sollten Sie etwas fragen, das bereits im Gespräch umfassend geklärt wurde.

Tipp: Das Thema Gehalt ist an dieser Stelle nicht gut platziert. Warten Sie, bis der Arbeitgeber dieses Thema anspricht. 

 

Das sollte Ihnen im Vorstellungsgespräch nicht passieren bzw.: So sollten Sie sich nicht verhalten!

Aus den geschilderten Tipps für ein gelungenes Vorstellungsgespräch leiten sich bereits einige „Don’ts“ ab, die im Bewerbungsgespräch auf jeden Fall einen schlechten Eindruck erzeugen: Unpünktlichkeit, eine schlechte Vorbereitung und Organisation, schlechte Umgangsformen, sich während des Gesprächs keine Notizen machen, keine oder irrelevante Fragen stellen, eine langweilige Erzählweise und ein unpassendes Outfit.

Es gibt es noch einige weitere Punkte, die im Vorstellungsgespräch schlecht ankommen und die Sie daher unbedingt beachten bzw. vermeiden sollten:

 

Lügen und Verheimlichen.

Untersuchungen zu Folge wird in Vorstellungsgesprächen vor allem in puncto Verantwortung im Rahmen früherer Aufgaben und beim Thema Managementfertigkeiten gelogen. Aber auch vorhandene Fremdsprachfertigkeiten und Softwarekenntnisse werden in Lebensläufen und Bewerbungsgesprächen geschönt.  Neben der moralischen Seite des Lügens gibt es noch ein weiteres sehr wichtiges Thema: Bewerber, die lügen oder verschleiern, fliegen mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann auf. Der Eindruck des Entscheidungsträgers ist nun schlechter als er ohne die Vorspiegelung falscher Tatsachen gewesen wäre.

Wer im Bewerbungsgespräch unehrlich ist und/oder wichtige Aspekte verheimlicht, tut sich selbst keinen Gefallen:

Beispiel 1: Die vorgetäuschte Kompetenz „sehr gute Englischkenntnisse“ kann direkt im Bewerbungsgespräch abgefragt werden – und schon fällt bereits während des Gesprächs auf, dass die Englischkenntnisse des Bewerbers eher mittelmäßig sind. Und selbst wenn die Englischkenntnisse direkt im Bewerbungsgespräch nicht abgefragt werden: Spätestens in der Probezeit zeigt sich, was ein Bewerber kann und was nicht.

Beispiel 2: Der fehlende Universitätsabschluss wird nicht erwähnt und nach der Einstellung fordert die Personalabteilung das entsprechende Zeugnis an – ein Grund zur fristlosen Kündigung!

Das Lügen hilft Bewerbern also wenn überhaupt nur kurzfristig weiter und kann im schlimmsten Fall zu einem Verlust des Arbeitsplatzes führen. Daher: Bleiben Sie lieber bei der Wahrheit!

Hinweis: Eine Ausnahme stellt die Beantwortung unzulässiger Fragen im Vorstellungsgespräch dar, wie zum Beispiel die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft oder nach dem Gesundheitszustand. Hier darf die Unwahrheit gesagt werden, um sich vor Diskriminierung zu schützen. 

 

Tiefstapeln.

Wenig selbstbewusste Bewerber bewerten eigene Schwächen zu stark und eigene Stärken zu schwach – eine folgenreiche Form der Selbsteinschätzung, denn die Entscheidungsträger der Unternehmen wünschen sich eine starke Persönlichkeit, die anstehende Aufgaben selbstbewusst meistert. Ganz klar:  Für die Ausführung von beruflichen Aufgaben braucht es Selbstbewusstsein. Wie soll man sich sonst im Arbeitsalltag gegen Unvorhergesehenes oder schwierige Kunden behaupten?

Schade ist, dass „Bewerbungs-Tiefstapler“ häufig die fachlichen Fähigkeiten für die offene Stelle mitbringen, diese aber im Bewerbungsgespräch schlecht präsentieren können. Dies erzeugt bei den Entscheidungsträgern einen negativen Eindruck, was allzu oft zur Aussortierung des Bewerbers führt. Stellen Sie sich vor, Sie hätten selbst eine Stelle zu besetzen. Wen würden Sie lieber einstellen: Eine Person, die sich die Erfüllung der Aufgaben selbstbewusst zutraut (und dies auch ausstrahlt) oder ein „schüchternes Persönchen“, das sein eigenes Licht unter den Scheffel stellt?

Zeigen Sie daher, was Sie können. Erzählen Sie selbstbewusst von Ihren bisherigen Aufgaben und mit welchen Ihrer Kompetenzen Sie schwierige Aufgaben gemeistert haben. Zeigen Sie, dass Sie bestens für die offene Position geeignet sind. 

Stärken Sie im Vorfeld Ihr Selbstbewusstsein, indem Sie sich aktiv damit auseinandersetzen, was Sie bislang in beruflicher Hinsicht geleistet haben. Diskutieren Sie dies auch mit Freunden, um eine Fremdeinschätzung zu erhalten. 

Vor allem auf die häufige Frage nach den Stärken und Schwächen sollten Sie gut vorbereitet sein. Treffen Sie eine wohl überlegte Wahl und präsentieren Sie Stärken, die gut zum Unternehmen und zur offenen Position passen sowie Schwächen, die für die offene Position nicht allzu relevant sind und für die Sie eine Lösung parat haben. 

Üben Sie zudem Ihre Selbstpräsentation – auch hier kann man eine selbstbewusste Darstellung gut platzieren. 

Vertrauen Sie auf sich selbst und überzeugen Sie Ihr Gegenüber davon, dass Sie die zu erledigenden Aufgaben zu seiner vollsten Zufriedenheit erfüllen werden.

 

Hochstapeln.

Sich gut vermarkten können, ist ein Talent. Bewerber jedoch, die überheblich oder arrogant wirken, erzeugen bei Ihrem Gesprächspartner mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Sympathien. Hier gilt es, die Grenze von einem gesunden Selbstbewusstsein zur Überheblichkeit nicht zu überschreiten. Die bisherigen Erfolge schildern und stolz darauf sein? Ja. Hinter der Überzeugung stehen, dass man alle Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle erfüllen kann? Natürlich. Das Ganze mit überzogenen Gehaltsvorstellungen krönen? Auf keinen Fall! 

Mit der Message „Ich beherrsche bereits alles und kann nichts mehr dazulernen“ oder aber „Ich will nach meinem Abschluss sofort verdienen wie ein Manager“ tun sich Bewerber sicher keinen Gefallen. Personaler erkennen, das sich hinter Arroganz und Überheblichkeit häufig Unsicherheit oder eine schlechte Kinderstube versteckt. Und beides kommt im Bewerbungsgespräch nicht gut an. 

Bleiben Sie daher selbstbewusst, aber realistisch. Erzählen Sie von Ihren Erfolgen und Fertigkeiten, ohne sich selbst zu beweihräuchern. Lenken Sie das Gespräch auf Ihre Stärken, jedoch ohne zu prahlen. Erkundigen Sie sich vorab über die üblichen Gehälter der Branche und nennen Sie eine realistische Gehaltsvorstellung. Zeigen Sie, was Sie können und sagen Sie, was Sie sich zutrauen. Bleiben Sie dabei jedoch auf dem Boden. 

 

Desinteresse zeigen.

Um ein Bewerbungsgespräch zum Erfolg zu machen, braucht es Interesse auf beiden Seiten: Der Interviewer zeigt sein Interesse, indem er eine Einladung an den Bewerber ausspricht und sich die Zeit für ein Bewerbungsgespräch nimmt, aber auch, indem er dessen Lebenslauf studiert hat und nicht unvorbereitet zum Gesprächstermin erscheint. Das Gleiche kann der Interviewer auch vom Bewerber erwarten. 

Ihr Gegenüber merkt, ob Sie ernsthaft an der offenen Stelle interessiert sind oder nicht. Bewerber, die beispielsweise den Blick während des Gesprächs durchs Büro schweifen lassen oder an Haaren oder Fingernägeln „herumspielen“, erwecken keinen motivierten und aufmerksamen Eindruck. Auch eine schlechte Vorbereitung auf das Gespräch, ein unpünktliches Erscheinen zum Termin und die Auswahl unpassender Kleidung tragen zu einem desinteressierten Eindruck bei. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Bewerber die Stelle auch wirklich antreten wird, ist sehr gering. 

Zeigen Sie daher Ihr Interesse, indem Sie sich als der aufmerksame und motivierte Bewerber präsentieren, der für die offene Position gewünscht wird. Beantworten Sie Fragen Ihres Gegenübers offen und freundlich. Stellen Sie unter Beweis, dass Sie bestens vorbereitet sind und sichern Sie sich so die Möglichkeit, Ihrem Gesprächspartner von Ihren Qualitäten zu überzeugen. 

 

Kritisieren früherer Arbeitgeber.

Ein absolutes „No-go“ im Vorstellungsgespräch sind negative Äußerungen über bisherige Arbeitgeber. Unabhängig davon, ob Sie sich dabei auf Ihre frühere Firma, den Ex-Chef oder frühere Kollegen beziehen  - hört Ihr neuer Arbeitgeber Bemerkungen in diese Richtung, zweifelt er nur allzu leicht an Ihrer allgemeinen Loyalität. Ist Ihr Interviewpartner eventuell der Nächste, über den Sie auf dieser Weise sprechen werden? 

Kritik an bisherigen Arbeitgebern ist im Bewerbungsgespräch absolut fehl am Platz. Was aber, wenn von Personalerseite die häufige Frage nach dem Grund des Stellenwechsels gestellt wird und tatsächlich ein zwischenmenschliches Problem beim letzten Arbeitgeber bestand? Nennen Sie in diesem Fall einen nachvollziehbaren sachlichen Grund für Ihren Wunsch nach beruflicher Veränderung. In den meisten Fällen gibt es nicht nur einen sondern mehrere Gründe, die Arbeitnehmer dazu bewegen, sich beruflich umzuorientieren. Dadurch fällt zumeist nicht schwer, einen anderen Grund für den Wechsel zu nennen anstatt Probleme mit dem Chef oder der Kollegin.

Antworten Sie grundsätzlich nüchtern und sachlich und versuchen Sie schwierige Erfahrungen der Vergangenheit im Interview zu umgehen. Von selbst sprechen derartige Themen natürlich am besten gar nicht an. Lenken Sie das Gespräch auf positive Erfahrungen und Aspekte Ihres beruflichen Lebens, zum Beispiel auf Erfolge im Studium, in der Ausbildung oder  in absolvierten Praktika.

 

Unsichere oder negative Körpersprache.

Im Idealfall sollte die Körpersprache der Bewerber Selbstbewusstsein und Interesse ausdrücken. Leider fühlen sich viele Bewerber jedoch unwohl in der Bewerbungssituation und drücken dies durch ihre Körpersprache auch aus. 

Generell sollten Sie im Bewerbungsgespräch bei sich bleiben und sich nicht verstellen. Wenn Sie „einfach Sie selbst“ sind, wirken Sie authentisch – und dies ist ein Pluspunkt für die Mehrzahl der Personaler. 

Hinweis: Wer sich im Vorstellungsgespräch sicher fühlt, hat automatisch eine positive Körpersprache. Da dies jedoch nicht immer der Fall ist, helfen die folgenden Hinweise Ihnen, Ihre Körpersprache bewusst einzusetzen:

  • Gehen Sie zielstrebig auf Ihren Gesprächspartner zu. Suchen sie bereits jetzt seinen Augenkontakt.
  • Begrüßen Sie Ihr Gegenüber mit einem selbstbewussten Händedruck (nicht zu fest, nicht zu lasch). 
  • Nutzen Sie beim Sitzen die gesamte Sitzfläche, nicht nur deren vorderen Bereich
  • Nehmen Sie eine aufrechte Sitzposition ein.
  • Zeigen Sie, dass Sie aufmerksam zuhören, indem Sie Blickkontakt halten, ab und zu nicken und wenn es passend ist lächeln. 
  • Wenden Sie sich grundsätzlich Ihrem Gesprächspartner zu.


Insgesamt bleiben Sie bei sich und verstellen sich nicht. Vermeiden Sie jedoch ein paar einfache No-goes, was Ihre Körpersprache betrifft: Sollten Sie feststellen, dass Sie beispielsweise Ihre Arme schützend vor der Brust verschränken, hektisch gestikulieren oder eine verkrampfte Sitzhaltung einnehmen, atmen Sie am besten einmal tief durch. Im Anschluss nehmen Sie Ihre aufrechte Sitzposition ein, wenden sich aktiv Ihrem Gesprächspartner zu und blicken ihm in die Augen. Fast automatisch wird sich Ihre gesamte Körperhaltung zum Positiven verändern.

Auch während der Verabschiedung können Sie mit Hilfe Ihrer Körpersprache einen positiven Eindruck hinterlassen. Nachdem Sie sich für das Gespräch bedankt haben, verabschieden Sie sich mit einem festen Händedruck von Ihrem Gesprächspartner. Ist Ihnen Ihr Gegenüber sympathisch, schenken Sie ihm gerne ein kleines Lächeln.

Tipp: Machen Sie vor dem Bewerbungsgespräch einen kurzen Spaziergang im „Schnellschritt“. Auf diese Weise wird Ihr Körper mit Sauerstoff versorgt und gerät in Schwung, was sich positiv auf Ihre Aufmerksamkeit auswirkt.

Viel Erfolg bei Ihrem Vorstellungsgespräch!

Yasmin Noel-Schütt
Karriereberaterin
Buchautorin