Brückenteilzeit greift nur bedingt und für viele erst einen Schritt zu spät

Gleichzeitig arbeiten und Kinder großziehen - aus den Reihen derjenigen Mitarbeiterinnen, die ab 2019 vom neuen Gesetz der „Brückenteilzeit“ profitieren werden, ist ein fast hörbares Aufatmen zu vernehmen: Ab Januar 2019 können Vollzeit-Angestellte bei ihrem Arbeitgeber für ein bis fünf Jahre eine Reduzierung der Arbeitszeit beantragen, die spätere Rückkehr in Vollzeit ist dabei garantiert.

 

Sind das Problem „Teilzeitfalle“ und die damit einhergehende Versorgungslücke im Rentenalter also gelöst und behoben? Leider nein, denn aufgrund diverser Einschränkungen hilft das neue Gesetz lediglich einem Teil der Betroffenen. Ein Beispiel: Circa acht Millionen Teilzeitkräfte arbeiten derzeit in Kleinstunternehmen und kommen daher nicht in den Genuss des geplanten Rückkehrrechts in Vollzeit.

 

Zudem gibt es eine weitere, von der Öffentlichkeit weitaus unbeachtetere Gruppe von Teilzeitkräften, die sich fragt, welche alternative Regelung ihr bei einem ganz anders gearteten Teilzeit-Problem helfen könnte: Zahlreiche (zumeist) Frauen mit kleinen Kindern, die noch bei keinem Unternehmen angestellt sind, möchten nämlich erst einmal dahin kommen, überhaupt eine Stelle zu FINDEN - und das in Teilzeit. Das neue Gesetz der „Brückenteilzeit“ greift erst einen Schritt später, nämlich dann, wenn bereits eine Arbeit gefunden wurde.

Da der Arbeitsmarkt in diversen Branchen noch zu wenige Teilzeitstellen hergibt, sind diese Stellen natürlich hart umkämpft, sodass viele Bewerber(innen) auf der Strecke bleiben. Hinzu kommt, dass befristete Arbeitsverträge heutzutage sehr verbreitet sind und es daher in vielen Fällen nicht bei einer einzigen kurzweiligen Tätigkeit bleibt. Wie ein solcher Lebenslauf, gespickt mit zahlreichen befristeten Beschäftigungen, bei einem potentiell neuen Arbeitgeber ankommt, kann man sich vorstellen - nicht jeder Arbeitgeber kennt den Arbeitsmarkt so gut, dass er diesen Umstand automatisch auf befristete Verträge zurückführt. Vielmehr wird sich der Personalentscheider eines Unternehmens eventuell die Frage stellen, ob die Bewerberin sprunghaft oder gar unzuverlässig ist und aus diesen Gründen mehrere Jobwechsel stattfanden - ein Eindruck, der bei der Entscheidung für oder gegen eine Bewerberin sicher eine Rolle spielen wird.

 

Bleibt zu hoffen, dass auch diese Gruppe von Teilzeitkräften in der Öffentlichkeit wahrgenommen und hier Abhilfe geschaffen wird. Kinderbetreuung darf nicht gleichzeitig eine schlechtere Versorgung fürs Alter bedeuten - und darauf laufen viele Frauen geradewegs zu. Auch, wenn bald das neue Gesetz der „Brückenteilzeit“ in Kraft tritt.

 

Buchtipp: In meinem Buch "Teilzeitkraft" (Oktober 2018) wird auf humorvolle, aber informative Art und Weise deutlich, wie es jemandem bei der Teilzeit-Stellensuche ergehen kann!

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Yasmin Noel-Schütt

Bewerbungstrainerin und Karrierecoach

Buchautorin „Teilzeitkraft“ (September 2018)

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